Raubüberfall bei Meschenbach
Raubüberfall bei Meschenbach
Helena von Lichtenstein vom Geschlecht der Schenken von Siemen verkehrte viel mit der gleichaltrigen Magdalena von Brandenstein aus Obersiemau.
Beide Jungfrauen waren auf dem Heimweg von Coburg. Hinter Meschenbach musste wegen der Löcher im Wege sehr langsam gefahren werden. Es war ein gefürchteter Platz. Im Dorf hatten 1627 die Reiter des kaiserlichen Rittmeisters Schönberg Quartier genommen, brandschatzten und plagten die armen Leute. Immer noch sah der ganze Ort schlimm aus. Rechts der Straße erstreckten sich Sümpfe, links führte der Weg hinauf auf den Berg mit dem Galgen als sichtbares Wahrzeichen. Aber abschrecken ließen sich die Wegelagerer nicht. Es gab immer wieder Überfälle und niemand war dort gern alleine unterwegs.
Schon hatte der Wagen der beiden Edelfräulein diese Stelle hinter sich, als aus dem Gebüsch plötzlich zwei Kerle lossprangen. Mit einem mächtigen Hieb holte der eine den Kutscher vom Bock, während der andere die Pferde und den Wagen anhielt.
„Wer sich wehrt, ist des Todes!“ schrie der eine. Der Diener Wolf, der langsam hinterher kam, wurde durch den Schrei alarmiert. Ein Griff zur Waffe und schon war er zur Stelle. Gerade wollte der eine in den Wagen eindringen, als ihn ein wuchtiger Hieb traf. „Mordbuben! Wart`, ich will euch lehren!“, schrie Wolf. Aber der andere war schnell im Gebüsch verschwunden.
„Gottlob, dass es so gut ausgegangen ist. Nun beruhigt euch! - Unser armer Kutscher! Wartet ihr Halunken!“ Schon band Wolf dem Wegelagerer die Hände und Füße, hob ihn auf den Wagen und brachte auch den bewusstlosen Kutscher auf das Gefährt. Dann ging die Fahrt vollends heim. Das Patrimonialgericht in Untersiemau hatte den wunden Wegelagerer, statt ihn erst zu heilen, auf der Galgenhöhe bei Untersiemau lieber gleich gehenkt.
Frei nach Ludloff von August Wippenbeck