Auf der Haarth

Auf der Haarth
Haarth brennt – Viele Leben wurden gerettet!
Wallenstein, der Friedländer, war tot, ermordet in Eger. Seine Generäle hatten nun dem Kaiser den Treueid geschworen und der Krieg mit der Protestantischen Union ging weiter. Generalwachtmeister Wilhelm Freiherr von Lamboy sollte mit sechs Regimentern nach Franken ziehen und dafür sorgen, dass das Land wieder „kaiserlich“ wird. Die Kunde davon brachten Fahrende Händler und Kaufleute schnell in Umlauf. Besonders an der Strecke, die das Heer zurücklegen wollte, gerieten die Menschen in Angst und Panik. Sie wussten, dass das durchziehende Kriegsvolk eine Schneise von Mord und Verwüstung hinterlassen würde. So nahmen sie ihre wenigen Habseligkeiten und suchten Sicherheit in Verstecken im Wald oder in Höhlen. Die Belagerung der Festungsanlagen in Kulmbach und Kronach nahm mehr Zeit in Anspruch als vorgesehen. Die Menschen im Itzgrund, vorerst vom Kriegsvolk verschont, wurden wieder gelassener und gingen ihrem Tagwerk nach. Ein junger Geselle hatte gerade seine Wanderschaft beendet und war in die Schmiede seines Vaters zurückgekehrt. Bei seiner letzten Arbeitsstelle in Ahorn war er sich mit der Tochter seines dortigen Meisters einig geworden, noch in diesem Jahr mit ihr vor den Traualtar zu treten. Für den kommenden Abend hatte er ein Stelldichein mit seiner Braut vereinbart. Auf dem Weg nach Ahorn sah der Geselle schon von weitem am Himmel einen hellen Lichtschein leuchten. Je näher er kam, desto lauter dröhnten ihm wüstes Geschrei und Hilferufe aus höchster Not entgegen. Die Dörfer waren von dem wilden Haufen überrascht worden. Ihn überfiel furchtbare Angst um seine Braut! Viele Menschen kamen ihm auf der Flucht vor den marodierenden Söldnern und anderem Gesindel entgegen. Unter den Flüchtenden erkannte er seine Braut und brachte sie in Sicherheit. Mit etwas Glück konnte er ein freilaufendes Pferd einfangen. Auf diesem ritten die jungen Leute in größter Eile nach Haarth. Dort alarmierten sie mit den Rufen „Feuerio, Mordio“ die Dorfbewohner. Schnell wurde nur das Nötigste zusammengepackt und die Verstecke bzw. die ehemaligen Höhlen der Querkel im Hohensteiner Forst aufgesucht. Von dort aus mussten die Haarther das Niederbrennen ihres Dorfes mit ansehen. Trotzdem waren sie froh, dass sie mit ihrem Leben davongekommen waren. Ein paar Wochen nach diesem schrecklichen Erlebnis (Ereignis) schlossen die jungen Leute vor dem Pfarrer in Watzendorf den Bund der Ehe. Unter den Hochzeitsgästen befanden sich auch die Brauteltern, denen es gelungen war, den Mördern in einem Versteck unter ihrer Scheune zu entkommen. Haarth wurde später an nicht weit entfernter Stelle schöner und größer wieder aufgebaut. Der angehende Schmiedemeister, der so vielen das Leben gerettet hatte, genoss Zeit seines Lebens eine hohe Achtung in seinem Dorf. Da er sich als klug und umsichtig erwies, wurde er zum Bürgermeister gewählt. Ein Amt, das er bis zu seinem Tod innehatte.
von Helmut Schöttner und Georg Böhnlein